Der Körper als Motiv
Zwei Tage, ein Modell, schnelle Posen.
Aktzeichnen ist eine der direktesten Formen des Zeichnens – der Körper gibt vor, die Hand muss folgen. Zwei Minuten pro Pose, nicht mehr. Am ersten Tag als Monotypie – ein Druckverfahren mit Linoldruckfarbe, bei dem jeder Abdruck einmalig ist und nicht wiederholt werden kann. Kein Korrigieren, kein Zögern.
Was mich begeistert hat: den Stand des Modells einzufangen, die Rundungen des Körpers – durch schnelle, kraftvolle Linien. Und immer die Frage: wie sitzt die Zeichnung auf dem Blatt? Wo beginnt sie, wo lässt sie Raum? Das ist meine eigene Kompositionsentscheidung – so wie der Weißraum in meinen abstrakten Arbeiten.
Das kleine Format A4 war für mich eine echte Herausforderung. Meine Geste ist normalerweise raumgreifender, größer. Hier musste ich mich anpassen – aber vielleicht ist „anpassen" nicht das richtige Wort. Es war eher ein Gespräch zwischen meiner natürlichen Geste und den Grenzen des Blattes.
Am ersten Abend sind so etwa 45 Blätter entstanden. 45 Momente á 2 Minuten.
Am zweiten Tag gab es längere Posen – zuerst mit Tusche, dann mit farbigen Akzenten in Gouache. Mehr Zeit bedeutet nicht unbedingt mehr Kontrolle. Es bedeutet mehr Entscheidungen.
Was mich jedes Mal wieder überrascht: wie viel ein einziger Strich sagen kann. Wo er ansetzt, wie er endet, was er weglässt.